Von der Lady-Pizza-Night bis zum Tante-Catalina-Laden
Wer an Essen gehen denkt, denkt immer öfter an die Calle Fábrica im Santa-Catalina-Viertel. Denn das ist Palmas neue kleine „Fressgass“. Dort reiht sich ein Lokal an das andere – und manch’ Überraschung kann man dort auch erleben. Kirsten Lehmkuhl (Text) und Danyel André (Fotos) waren vor Ort, haben auf die Teller und hinter die Kulissen geschaut. Übrigens nehmen fast alle Lokale an der TaPalma vom 7. bis 11. Oktober teil.

In der Calle Fábrica – einst Sitz vieler Schuhfabriken – geht es ziemlich munter zu. Und das erst recht, seit sie im Dezember 2010 zur Fußgängerzone erklärt geworden ist. Die Lage ist aber auch genial, so mitten in Palmas Santa-Catalina-Viertel, nah an Hafen, Meer und Altstadt. Gleich vorn an der Avenida Argentina ist Ivan Riva Herr über das Hemingway, gemeinsam mit seinen Freunden Diego und Sergio. Die drei Italiener haben die Cocktailbar erst vor ein paar Monaten eröffnet. Die Auswahl an Flaschen hinter der Theke ist beeindruckend. Da reiht sich ein Likörchen an das andere – und nicht nur das. Sofort wird der Jamaica Julep gemixt, eine Mischung aus Rum, Ginger Beer, Ananassaft, Erdbeeren und Hierba Buena, das minzige „gute Kraut“ (8 Euro). Natürlich kommt der Drink auf Eis in Rot, Gelb, Grün daher, die Flagge Jamaikas lässt grüßen. Lust macht er, an dem Strohhalm zu ziehen. Doch es ist gerade mal 17 Uhr und damit eindeutig zu früh, in karibischen Träumen alkoholischer Art zu schwelgen.

Warum die Bar Hemingway heißt? „Weil Hemingway viel herumgereist ist und ein überaus trinkfester Geselle war“, sagt Riva. Und so entdeckt man diverse Fotos von dem Schriftsteller in dem Lokal, einige seiner Bücher sind sogar auch vorhanden, für den Fall, dass den Gästen nicht ausschließlich der Sinn nach Trinken, sondern auch nach etwas Lektüre steht.

Gegenüber vom Hemingway liegt das Bianco e Rosso von Landsmann Manuel Caporale aus den Abruzzen, daneben leuchtet das Schild Via Appia, man entdeckt das Tanto Amore und dann ist da noch La Bottega di Michele … Fast ist man geneigt, die Straße „Little Italy“ zu nennen, wenn, ja wenn nicht ein paar Schritte weiter das Bilderbuch-Lädchen von Catalina Manresa auftauchen würde.
„Das es das noch gibt“, murmelt man glückselig vor sich hin – und da stehen wir auch schon mitten drin im Reich der 78-jährigen Catalina, die eine Mischung aus Käse, Nudeln, Kichererbsen, Linsen, Keksen, Meeresfenchel, Honig und Wein anbietet. Und natürlich Sobrassada in den verschiedenen Qualitäten, zu unterschiedlichen Preisen. Die günstigste Variante der mallorca-typischen Paprika-Streichwurst „vom Bauernhof“ kostet 9,90 Euro das Kilo. Und dann geht es aufwärts. 15, 19, 23, 25 Euro das Kilo, letztere sind vom Schwarzen Schwein, cerdo negro. Und wer nicht weiß, wie so ein Prachtstück aussehen kann, findet ein 50 Jahre altes Foto auf dem Tresen. „Ein 400-Kilo-Exemplar“, sagt Catalina. Seit 1949 gibt es dieses Geschäftchen, ihr Vater hatte es gegründet. Auch Botifarrones werden dort angeboten, herzhafte Blutwürste. Und wer will, bekommt sie gleich aufs Brot geschmiert. „Hacemos Bocadillos“ verkündet ein handgeschriebenes Schild im Tante-Catalina-Laden.

Ach, Señora, eine Frage noch, bevor wir gehen: Wie macht man es, eine so schöne Haut zu haben, in diesem Alter? Catalina lächelt geschmeichelt. „Daran lasse ich nur Wasser und sonst nichts“, sagt sie schüchtern. Und ich habe das Gefühl, dass ich angesichts meiner Creme-Tiegel, Balsam-Töpfe und Lotion-Flaschen im Badezimmer doch irgendetwas falsch mache …
Draußen vor dem Geschäft stehen Bänke und Bäume, eine kleine Bühne ist aufgebaut, denn im Sommer finden dort ab und zu Live-Konzerte statt. Das ist für Miguel Matemales gar nicht schlecht, denn sein Blanc Mediterrani liegt genau gegenüber. Kabeljau ist die Spezialität des Hauses, es gibt ihn in acht verschiedenen Darreichungen. In Salz, mit einer Pilz-Sauce, mit gratinierter Aioli, mit karamellisierten Zwiebeln, mit Sobrassada samt Honig oder mit Spinat (jeweils zirka 13 Euro). Dann stehen fünf Paellas auf der Karte, von vegetarisch (9,50 Euro) bis Reis mit Seeteufel und Hummer (19 Euro). Die Küche ist durch eine riesige Glasscheibe vom Restaurant getrennt. „Bei uns kann man alles sehen, was am Herd passiert“, sagt Miquel.

Da kreuzt Manuel Carporale vom Bianco e Rosso unseren Weg, zwei Stunden in diesem Viertel – man kennt sich. „Donnerstags“, sagt er, „zahlen bei uns die Damen nur 50 Prozent für Pasta und Pizza.“ Sozusagen die Lady-Pizza-Nights. Und belegte Teigfladen gibt es viele: 30 an der Zahl. Zu Preisen zwischen 7,50 und 12 Euro. Das sind die normalen Tarife. Ein gutes Angebot hat auch das Petit Restaurant Santa Catalina. Das fünfgängige Degustationsmenü schlägt mit 26,50 Euro zu Buche – und vereint zum Beispiel Salat mit Serrano-Schinken, dreierlei Gazpacho, pochiertes Ei auf Spinatbett, rosa gebratene Entenbrust auf Feigensauce und ein Ananas-Carpaccio mit Zitronen-Basilikum-Sorbet zu einem Menü. Es gibt nur wenige Tische (Petit Restaurant! – Kleines Lokal), und die Bedienung ist supernett!

Apropos Gazpacho: Man kann die Straße nicht verlassen, ohne einmal im Pintxo, Pintxo, Gorgorito eingekehrt zu sein. Der lustige Name ist angelehnt an einen spanischen Kinderreim. Dort hat man sich mal was anderes einfallen lassen, und bietet Variationen von der erfrischenden Gemüsesuppe. Wobei Andalusiens berühmte „Kaltschale“ hier aus Wasser- oder Honigmelone besteht, aus Tomaten, Pilzen oder Kürbis. Je nach Saison und Marktangebot. Die Süppchen kommen in kleinen Gläsern auf den Tisch und kosten 1,15 Euro. Darüber hinaus gibt es stets zwischen 15 und 18 verschiedene Pintxos, Häppchen mit Frischkäse und Quitte zum Beispiel oder solche, die mit Paprika, Thunfisch und Krebsfleisch belegt sind. Manchmal findet man auch ein kleines Schweinesteak samt Blutwurst und Champignons (je 1,50 Euro) auf dem Brot. Wer das nicht mag, greift zu Löffeln mit dekorativem Inhalt, der von Couscous-Variationen bis hin zu Maki reicht (1,40 Euro).
Sogar eine Dönerbude gibt es in der Straße, die sich Falafel 33 nennt und „Syrisch-libanesische Spezialitäten“ anbietet. Weshalb wir behaupten, dass in diesem Viertel wohl jeder etwas nach seinem Geschmack finden wird …

Wir lassen unseren Blick gemächlich schweifen durch die Fábrica, wie alle nur sagen. 21 Lokale haben wir gezählt auf den geschätzten 200 Metern zwischen der Argentina und der Carrer de Comte de Barcelona, Catalinas Laden ausgenommen. Und so hat die „Fabrik“ am Ende unserer Tour dann doch noch ihren Spitznamen weg: Palmas kleine „Fressgass“.


Adressen-Auswahl
:
Hemingway, Food & Drinks, Fábrica 3
Bianco e Rosso, Fábrica 6
Pintxo, Pintxo, Gorgorito, Fábrica 10
Tanto Amore, Fábrica 10
Txakoli, Parilla Asador, Fábrica 14
Santa Catalina – Petit Restaurant, Fábrica 15A
Ca’n Manresa, Fábrica 19, Ecke C/. Pou
Blanc Mediterrani, Fábrica 29

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