Ob Verleih oder Verkauf: E-Bikes kommen auf Mallorca schwer in Mode. Wie sich die batteriebetriebenen Drahtesel fahren lassen, hat Andreas John getestet.

Rückenwind aus der Steckdose. Kein Dorf, keine Stadt und kein Urlaubsort bleibt von den E-Bikern verschont. Immer häufiger sind sie zu sehen, wie sie vollkommen geräuschlos, ohne eine Schweißperle auf der Stirn, mit bis zu bis 25 Sachen auf dem Tacho durch die Straßen sausen und selbst die hartgesottensten Pedalritter an jeder Steigung ganz alt aussehen lassen. Keine Frage, das batteriebetriebene Elektrofahrrad hat auf seinem Siegeszug quer durch Europa auch vor Mallorca nicht halt gemacht. Inselweit bieten bereits mehr als ein Dutzend Unternehmer E-Bikes zum Verkauf oder Verleih an.

Einer von ihnen ist Joachim Weber. Der Deutsche eröffnete im März dieses Jahres den Elektro-Fahrradverleih „ebike Point Mallorca“ in Can Pastilla. „E-Bikes, oder auch Pedelecs genannt, sind Fahrräder, die mithilfe eines akkubetriebenen Elektromotors den Fahrer unterstützen“, sagt er. „Ein Elektrofahrrad fährt nicht allein wie ein Mofa, sondern nur dann, wenn man selbst in die Pedale tritt, wobei der Motor die Tretleistung um ein Vielfaches erhöht.“ Praktisch müsse man sich das so vorstellen, als ob eine unsichtbare Hand den Radler von hinten anschiebt. Gegenwind oder Steigungen können damit ebenso leicht bewältigt werden wie längere Tourenfahrten.
Dass E-Bikes nur etwas für alte oder tretfaule Menschen sind, will Weber nicht auf sich beruhen lassen. „Nicht jeder fühlt sich körperlich dazu in der Lage, längere Touren bei Gegenwind oder bergauf zu fahren, ohne irgendwann schieben zu müssen oder gar einen Herzinfarkt zu riskieren. Und damit meine ich nicht nur Rentner“, sagt Weber.

Wer will, kann sich bei ihm ein Rad mieten (22 Euro/Tag) oder auch kaufen. Doch letzteres ist leichter gesagt als getan. Der Hype um die Elektroräder in halb Europa hat in den vergangen Jahren nämlich zu einer fast unüberschaubaren Zahl von Marken, Modellen und technischen Systemen geführt. „Man sollte sich zuerst fragen, was man von einem E-Bike überhaupt erwartet“, meint Karl-Josef Osadnik von Alpha Elektro Bike in Santa Ponça, der seit etwa eineinhalb Jahren in der E-Bike-Branche mitmischt. Will man auf dem E-Bike ausgedehnte Touren fahren oder es für gelegentliche Fahrten zum Strand nutzen? Soll es das Auto ersetzen, um damit zwischen Heim und Office zu pendeln, oder möchte man es auch gelegentlich für den Transport von Kindern oder beim Supermarkt-Einkauf einsetzen?

Mittlerweile schon fast ein gewohnter Anblick: E-Biker, die beinahe geräuschlos über die Insel sausen

Mittlerweile schon fast ein gewohnter Anblick: E-Biker, die beinahe geräuschlos über die Insel sausen

„Eine ausführliche Kaufberatung ist wichtig“, sagt denn auch Daniele Giacomini, der zusammen mit seinem italienischen Landsmann Gian Claudio de Santis seit knapp eineinhalb Jahren das Fachgeschäft „Tucano Bikes“ in Palmas Santa-Catalina-Viertel betreibt. Sie bieten Tourenräder, Mountainbikes, Klappräder und Trikes an. Ebenso wie Osadnik, der ausschließlich auf Qualitätsmarken setzt, vertreiben die beiden Italiener Designer-Pedelecs, unter anderem der Hausmarke Tucano.

Zur Auswahl stehen drei Antriebsvarianten: Vorder- und Hinterradantrieb sowie Räder mit einem Mittelmotor. Alle drei Systeme haben Vor- und Nachteile. „Der Vorderantrieb wird sich langfristig durchsetzen, weil er technisch gesehen am unkompliziertesten ist“, glaubt Osadnik. Auch Giacomini ist sich da sicher. „Die Vorderrad-Antriebssysteme eignen sich auch zum Umbau des konventionellen Fahrrads zum Pedelec. Einfach das Vorderrad mit Motor und eine Batterie anbauen. Fertig!“ Doch es geht auch komplizierter: Ähnlich wie bei konventionellen Fahrrädern bieten die Hersteller von E-Bikes viele technische Spielereien, Sonderausstattungen und zusätzliches Hightech an, wie beispielsweise Scheibenbremsen, Karbonrahmen, neuartige Federsysteme oder moderne Narbenschaltungen.
So unterschiedlich wie die Marken, Modelle und technischen Ausstattungen sind natürlich auch die Preise. „Qualitativ gute E-Bikes kosten zwischen 1.300 und 3.500 Euro“, meint Giacomini. Ein ähnliches Preisspektrum nennt auch Osadnik. „Ausschlaggebend ist hier Verarbeitung und Qualität.“ Zu den Hauptverschleißteilen zählt vor allem die Batterie. „Daran sollte man nicht sparen“, meint Osadnik. „Und wer größere Touren plant, sollte sich am besten gleich einen zweiten Akku in die Satteltasche packen. Damit ist man dann wirklich unabhängig.“

Bis zu 25 Stundenkilometer schnell darf man in Spanien mit dem E-Bike fahren – und das ohne zu schwitzen!

Bis zu 25 Stundenkilometer schnell darf man in Spanien mit dem E-Bike fahren – und das ohne zu schwitzen!

Kann denn überhaupt jeder E-Bike fahren? „Und ob“, sagt Gabriele Mühlhoff. Ende vergangenen Jahres eröffnete die 44-jährige Deutsche in Can Pastilla den Elektro-Fahrradverleih und -handel „www.mallorca-e-bikes.com“. „Pedelecs sind in Spanien bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern genauso wie in Deutschland weder führerschein- noch zulassungspflichtig.“ Sowohl zum Stundenpreis von 5 Euro als auch zur Tages- oder Wochenflatrate (22 Euro bzw. 120 Euro) vermietet Mühlhoff Pedelecs für jedermann. Auf Wunsch auch mit Kinder- oder Lastanhänger. „Zu mir kamen bereits Urlauber, die zu Hause schon E-Bike fahren. Es ist ja nun mal so: Wenn man erst einmal mit diesen Rädern unterwegs war, dann will man sich anschließend nie wieder auf ein konventionelles Rad setzen.“

Dank immer leistungsfähigerer Motoren und Batterien seien den Pedelecs in Zukunft keine Grenzen gesetzt. „Gerade auf Mallorca könnte man sich vorstellen, dass es irgendwann vielleicht sogar Solar-Tankstellen gibt, an denen E-Bike-Fahrer ihre Akkus aufladen“, meint Mühlhoff.

Bisher hängt die mögliche Reichweite eines Elektro-Fahrrads noch von vielen Faktoren ab, wie der Bauart und Leistungsfähigkeit des Akkus, von Wind und Höhenprofil der Strecke – sowie dem Gewicht des Fahrers. Mit modernen Lithium-Ionen-Akkus, die zwischen 300 und 500 Euro kosten, kommt man im Durchschnitt bis zu 80 Kilometer weit – bei sparsamer Fahrweise. Danach müssen sie in der Regel fünf Stunden lang aufgeladen werden.

Dank E-Bikes jedenfalls hat sich die Reichweite manch’ Freizeitradlers auf Mallorca deutlich erhöht. „Viele Urlauber hätten sich früher nie getraut, mit dem Fahrrad von Can Pastilla nach Sóller oder gar zum Kloster nach Lluc zu radeln. Mit dem E-Bike ist das jetzt ohne weiteres möglich“, sagt Gabriele Mühlhoff.

Mit dem Drahtesel von der Playa de Palma bis nach Sóller? Mit einem Elektrofahrrad ist das auch für Freizeitradler kein Problem

Mit dem Drahtesel von der Playa de Palma bis nach Sóller? Mit einem Elektrofahrrad ist das auch für Freizeitradler kein Problem

Anbieter von E-Bikes auf Mallorca:
eBike Point
Verleih in Can Pastilla,
Tel.: 634–37 37 86,
www.ebike-point-mallorca.com
Mallorca E-Bikes
Verleih und Verkauf an der Playa de Palma,
Tel.: 971–26 09 9,
www.mallorca-e-bikes.com
Tucano Bikes
Verkauf und Reparatur von E-Bikes in Palma,
Tel.: 671–25 36 54,
www.tucanobikes.com
Alpha Elektro Bike
Verkauf von E-Bikes und Trikes in Santa Ponça, Tel.: 971–69 02 34,
www.alphaelektrobike.com
Balearblue
Verleih in Port d´Andratx,
Tel.: 971–67 40 31,
www.balearblue.de
Pino Touren
E-Bike-Verleih inselweit,
Tel.: 0049–30–86 20 18 41,
www.pinotouren.de

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