Lange Vorbei sind die Zeiten, in denen die Küche nur Arbeitsraum war. Schicke Designs, edle Materialien, hochwertige Geräte und eine Menge praktischer Accessoires verwandeln den ehemals unscheinbaren Kochraum in stylisches Hightech. So manche moderne Küche würde glatt auch ins Wohnzimmer passen. Unsere Autorin Vivie Engel sprach mit Küchen-Experten der Insel über die neue Trends. Fotos: Küchenhersteller

Die schwarzen Küchenmöbel der SieMatic SC 66 erinnern an den Art-Deco-Stil der 1920er Jahre. Die glänzende Edelstahl-Arbeitsplatte bildet einen raffinierten Gegensatz zum matten Schwarz der Fronten und Griffleisten

Die schwarzen Küchenmöbel der SieMatic SC 66 erinnern an den Art-Deco-Stil der 1920er Jahre. Die glänzende Edelstahl-Arbeitsplatte bildet einen raffinierten Gegensatz zum matten Schwarz der Fronten und Griffleisten

Eine Küche ist eine Küche ist eine Küche. Denkste. Was früher vor allem praktisch, möglichst preiswert und oft auf kleinem Raum untergebracht werden musste, entspricht heute einem sorgfältig komponierten Gesamtkunstwerk. Eine Küche plant man. Eine Küche lässt man entwerfen. Für eine Küche opfert man gerne Wände, um ihr mehr Raum zu schenken. Und für eine Küche gibt man häufig mehr Geld aus als für jeden anderen Raum im Haus.

Das liegt unter anderem daran, dass es kleine, abgeschlossene Küchen heute kaum noch gibt. Man gestaltet jetzt Küchen-Wohnbereiche, ein separates Esszimmer hat seine Funktion ebenfalls eingebüßt. Stattdessen wird lieber mal eine Wand abgerissen oder im großen Stil durchbrochen, um genügend Platz für einen zusammenhängenden Koch-, Ess- und Erlebnisbereich zu schaffen.

Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass 90 Prozent der Kunden einer modernen Küche mit glatten Fronten und qualitativ hochwertig gestalteten Oberflächen den Vorzug geben, weiß Birgit Müller vom gleichnamigen Küchenstudio in Port d’Andratx. Schließlich soll sie zum Einrichtungsstil der übrigen Wohnung passen. Nur zehn Prozent wünschen sich heute noch eine Küche im Landhausstil, vor zehn Jahren war die Situation genau umgekehrt.

Ausgezeichnet mit einem Designpreis: In die „Wallsystem“-Wand von Birgit Müller lassen sich Regale,Vasen, sogar Schrankelemente und Fernseher einhängen – ganz schön praktisch!

Ausgezeichnet mit einem Designpreis: In die „Wallsystem“-Wand von Birgit Müller lassen sich Regale,Vasen, sogar Schrankelemente und Fernseher einhängen – ganz schön praktisch!


Noch Küche oder schon Wohnzimmer?

So ähneln die Möbel moderner Küchen immer mehr denen im Wohnbereich. Die Küchenunterschränke und –regale von der Firma SieMatic in cappuccinobraun würden genauso gut für eine Wohnzimmerwand passen. Ebenso wie die in den Schrank integrierten hochwertigen Multimediageräte, wie Audio/Video-Systeme mit einer Bedieneroberfläche, die Internet-Zugang und zahlreiche weitere individuell konfigurierbare Optionen bietet. Der in die Küchenfront eingelassene Bildschirm lässt sich leicht herausziehen und schwenken. Über die Kontroll-Leiste oberhalb des Bildschirms lassen sich viele Funktionen steuern – per Fingertipp oder Fernbedienung.

Auch Birgit Müller liebt es, Küchen wohnlich einzurichten. Die Rückwand „Wallsystem“, für die sie einen Designpreis gewann, bietet individuelle Möglichkeiten, Küchenwände zu gestalten. In der „Wallsystem“-Wand verlaufen Schienen, in die sich Schrankelemente, Regale, Fernseher, Kochbuchständer, Vasen und vieles mehr einhängen lassen.

Denn Hängeschränke sind langsam out. Um genug Staufläche zu gewinnen, opfert man lieber eine Wand komplett für Hochschränke, in die Backofen, Dampfgarer, Kühlschrank und Espressomaschine bereits integriert sind. So bleibt der übrige Raum frei für die Gestaltung des Koch- und Sitzbereichs.
Auch Designer Philippe Starck möchte mit seiner Küchenkollektion Starck by Warendorf der „guten alten Küche“ ein neues, kreatives Gesicht geben. Die Premiummarke Warendorf hat übrigens vor gut einem Jahr die Marke „Miele DIE KÜCHE“ abgelöst. Meine Küche als Ausdruck meiner Persönlichkeit – heißt das Motto jetzt bei Warendorf. Ein Beispiel: bistroartige Bartische im Sitzbereich, die den heutigen Essgewohnheiten entsprechen und mit ihren verchromten Trompetenfüße auch optisch viel hermachen.

Herrlich formschön – so sehen heute moderne Dunstabzüge aus. Sie sind im Herd integriert und ausfahrbar

Herrlich formschön – so sehen heute moderne Dunstabzüge aus. Sie sind im Herd integriert und ausfahrbar


Mag die aktuelle Trendfarbe auch Greige heißen, Weiß in allen Abstufungen ist und bleibt modern. Vor allem wenn man dazu so gekonnt Kontraste setzt wie beim Küchensystem Xila ST von Boffi, der neuesten Kreation von Designer Luigi Massoni

Mag die aktuelle Trendfarbe auch Greige heißen, Weiß in allen Abstufungen ist und bleibt modern. Vor allem wenn man dazu so gekonnt Kontraste setzt wie beim Küchensystem Xila ST von Boffi, der neuesten Kreation von Designer Luigi Massoni


Aber Küchen sind doch zum Kochen da?!

Eine Frage, die sich bei so viel Design aufdrängt: Ist die Küche noch zum Kochen da oder nur zum Aufwärmen von Essen? „Natürlich zum Kochen!“, so Birgit Müller. Küchen, in denen nicht gekocht wird, findet die leidenschaftliche Köchin traurig. Bei der Küchenplanung sollte man daher auch ans Praktische denken und nicht nur die Optik im Sinn haben. Das heißt, neben den Herd gehört eine Schublade mit Gewürzen, die Ölflaschen müssen griffbereit in einem Schrankfach stehen. Auch eine Wärmeschublade unterm Backofen für Teller und Gerichte erweist sich als äußerst komfortabel.

Gabriel Nicolau von Bulthaup Nicolau Estils i Formes richtet seit fast 30 Jahren auf Mallorca Küchen ein. Sein Favorit unter den Kücheninnovationen ist das System b2 von Bulthaup, das mit einem Designpreis ausgezeichnet wurde. Mit der neuen Elementegruppe kann man Werkbank (Feuer- und Wasserstelle), Werkschrank (Geschirr, Kochwerkzeug, Gewürze, Lebensmittel) und Geräteschrank (Backofen, Geschirrspüler, Kühlschrank) individuell kombinieren. Das Prinzip von Bulthaup b2 ist, die Küche von allem „Überflüssigen“ zu reinigen. So bleibt übrig, was benötigt wird. Für Gabriel Nicolau ist der b2-Küchenwerkschrank das Gegenstück zur klassischen Schubladenküche: „Gerade in einem rustikalen Wohnumfeld lassen sich mit den frei stehenden b2-Elementen außergewöhnlich reizvolle Kontraste erzielen.“

Zum Glück wurde auch das Innenleben von Schubladen und Schränken in den letzten Jahren immer funktionaler gestaltet. Beleuchtung gehört ebenso zur Ausstattung wie dekorative Porzellan-Gewürzdosen mit verglastem Deckel, die sich auch auf dem Esstisch sehen lassen können. Magnetische Folienrollenhaltern mit Porzellangriffen erleichtern das Abrollen und eine schräg angeordnete Porzellan-Messerbank gibt Schneidwerk guten Halt. Hübsch und handlich zugleich sind auch Besteckeinsätze mit ausklappbaren Tragegriffen, die man bequem ins Esszimmer oder auf die Terrasse transportieren kann. Und ein von SieMatic kreiertes Tablett lässt sich zugleich als Schneidbrett benutzen. Für die Schneidfläche auf der Rückseite wurde besonders hartes und geschmacksneutrales Bambusholz gewählt.

Die Beispiele zeigen, dass Design und Komfort in der Küchenplanung Hand in Hand gehen. Geplant wird heute übrigens nicht mehr auf Magnettafeln mit Hilfe kleiner Magnetmodulen, sondern am Computer. So bekommt der Kunde anhand von 3-D-Grafiken bereits eine sehr genaue Vorstellung von seiner zukünftigen Traumküche.

So schön kann Ordnung sein: Die Auszüge und Schubladen des Systems SF10 von SieMatic sind voll ausziehbar und hoch belastbar. Damit Sie lange etwas davon haben

So schön kann Ordnung sein: Die Auszüge und Schubladen des Systems SF10 von SieMatic sind voll ausziehbar und hoch belastbar. Damit Sie lange etwas davon haben

Weinklimaschrank ganz elegant: Der RW 424 von Gaggenau verfügt über zwei getrennt steuerbare „ Klimazonen“ (Foto ganz o.). Der Kombi-Dampfgarer DGC 5080 XL von Miele ist vollwertiger Backofen und Dampfgarer in einem Gerät (o.)

Weinklimaschrank ganz elegant: Der RW 424 von Gaggenau verfügt über zwei getrennt steuerbare „ Klimazonen“ (Foto ganz o.). Der Kombi-Dampfgarer DGC 5080 XL von Miele ist vollwertiger Backofen und Dampfgarer in einem Gerät (o.)


Greige heißt die neue Trendfarbe!

Zu den beliebtesten Materialien einer neuen Küche gehören helle Naturhölzer mit sichtbarem Astmotiv, zum Beispiel Pinienholz gebürstet, das anschließend silberfarben lackiert wird. Die Trendfarbe der Saison: Grautöne. Wie Greige, ein Farbton zwischen Grau und Beige, Trüffelgrau, Basaltgrau, Sterlinggrau. Eine große (graue) Farbauswahl bietet zum Beispiel der italienische Küchenhersteller Boffi. Die zweitwichtigste Farbe im Küchendesign ist und bleibt Weiß. Und zwar in allen Abstufungen wie Lotusweiß, Magnolienweiß, Cremeweiß. Einen schönen Effekt erhält man, wenn man zu weiß verschiedene Materialien kombiniert. Zu einer hochglanzweißen Arbeitsplatte passen gut eine Natursteinwand sowie Schubladen und Regale aus Naturholz oder eine Sitzbank aus Holz. Kleiner Tipp: Hochglanz-Fronten sind deutlich unempfindlicher als matte Fronten und viel leichter sauber zu halten. Und das, obwohl Griffe inzwischen ausgedient haben. Türen und Schubladen öffnen sich heute auf leichten Fingerdruck.

Warm und wohnlich wirken auch Arbeitsplatten aus geschliffenem Schiefer oder Kalkstein. Von Bulthaup gibt’s jetzt eine neue Nussbaum-Massivholzfront, die aus drei Holzlagen besteht, die mit zwei feinen Aluminiumschichten durchzogen sind. Das verleiht dem dunklen Holz eine besonders sinnliche Ausstrahlung. Wer seine Unterschränke in Aluminium wählt, kombiniert dazu Schranktüren und große Schubladen aus Holz, sie gleichen die kühle Eleganz des Edelstahls wieder aus. Hübsche Kontraste setzt man mit einer Rückwand aus Eichenholz, mit einer Ledertapete, Blattsilber oder einer lackierten Glasscheibe hinter dem Herd.

Beim Wasserkochen sind die neuen ExtraSpeed-Kochfelder von Miele (o.) rund ein Drittel schneller als ein 15 Jahre  altes Kochfeld (Foto li.) – sozusagen die Sebastian Vettels unter den Kochfeldern

Beim Wasserkochen sind die neuen ExtraSpeed-Kochfelder von Miele (o.) rund ein Drittel schneller als ein 15 Jahre altes Kochfeld (Foto li.) – sozusagen die Sebastian Vettels unter den Kochfeldern

Stark gegen Gerüche und dabei kaum zu hören ist die Deckenlüftung AC 402 von Gaggenau über dem Küchenblock von Bulthaup (b3, Aluminium-Bronze). Geschickt gelöst: ein integriertes Stahlgerüst in der Wand lässt Schränke und Geräte schweben

Stark gegen Gerüche und dabei kaum zu hören ist die Deckenlüftung AC 402 von Gaggenau über dem Küchenblock von Bulthaup (b3, Aluminium-Bronze). Geschickt gelöst: ein integriertes Stahlgerüst in der Wand lässt Schränke und Geräte schweben


Viele fleißige Küchenhelfer

Jede Küche ist nur so gut wie ihre Geräte – da ist etwas dran, weiß Birgit Müller. In ihrem Haus auf Mallorca gibt es eine alte gemauerte mallorquinische Küche, in die sie mitten hinein einen modernen Küchenblock gestellt hat. Zur technischen Standardausstattung gehört zum Beispiel ein Dampfgarer. Die neuen Combi-Geräte können, anders als die frühen Modelle, auch bräunen, braten und gezielt Dampf zuführen. Miele hat ein Modell entwickelt, das sowohl vollwertiger Backofen wie auch Dampfgarer ist.

Für den Herd kann man zwischen kombinierten Kochfeldern wählen und Gas-, Ceran- und Induktionskochfelder nebeneinander kombinieren. „Das Vollflächeninduktionsfeld von Gaggenau erlaubt alle Größen und Formate bei Kochgeschirr, das frei auf der Kochfläche platzierbar ist“, erklärt Gabriel Nicolau. Auf Wunsch erhält man dazu einen Lavasteingrill sowie ein Wok- und Teppan-Yaki-Feld, das ist ein japanischer Edelstahl-Flächengrill. Neu von Miele gibt’s jetzt das ExtraSpeed-Kochfeld. HiLight-Strahlungsheizkörper garantieren superkurze Ankochzeiten. Von der Induktionstechnik abgesehen, ist es damit das schnellste elektrisch betriebene Kochfeld der Welt. Es gibt sogar einen Vorteil zum Induktionskochen. ExtraSpeed-Kochfelder sind preiswerter und man braucht für sie kein neues Kochgeschirr anzuschaffen.

In der Innenschublade aus Aluminium mit ebensolchen Einsätzen hat jeder seinen Platz – Gabel, Löffel, Messer & Co.

In der Innenschublade aus Aluminium mit ebensolchen Einsätzen hat jeder seinen Platz – Gabel, Löffel, Messer & Co.


Très chic: der Gewölbebackofen

Liebhaber gediegenen Küchenkomforts werden bei der französischen Traditionsfirma La Cornue fündig. „Das Gewöhnliche und Normale hat unseren Appetit noch nie gestillt. Wir sind sowohl Feinschmecker, zugleich hungrig und anspruchsvoll, als auch leidenschaftliche Küchenmeister“, so Firmengründer Albert Dupuy. Die von Hand zusammen gesetzten Herde aus Gusseisen, Stahl, Messing, Edelstahl und Emaille gleichen mehr einer Dampflokomotive alter Zeiten als einem normalen Herd. Berühmt sind neben den als Piano bezeichneten Kochstätten auch die Gewölbebackofen. Es ist nicht sicher, ob Alber Dupuy für seine Erfindung von den Gewölbetunneln der neuen Metro in Paris inspiriert wurde oder von den großen gewölbten Brotbacköfen in den Bäckereien seiner Stadt. Jedenfalls entwickelte er 1908 seinen ersten gasbeheizten Backapparat, in dem er durch die Gewölbeform eine natürliche Luftzirkulation und eine gleichmäßige Hitzeverteilung erzielte. Die Backofentür aus massivem Metall riegelt den Innenraum hermetisch ab, ohne Einsatz einer empfindlichen Dichtung.


Open-Air-Küchen für Mallorca

Was ist eigentlich aus den zum Herd gehörenden Dunstabzugshauben geworden? Es gibt sie noch, nur sind sie inzwischen fast unsichtbar. Denn entweder wird die Haube direkt in die Decke eingelassen, was bis zu 2,50 Meter Deckenhöhe funktioniert. Oder sie ist in der Rückseite des Herds versenkt und wird bei Bedarf herausgefahren. In beiden Fällen gilt: Man stößt sich beim Kochen nicht mehr den Kopf und behält eine schöne freie Sicht. Panoramasicht beim Kochen wünschen sich vor allem diejenigen, deren Küche auch Ausblick zu bieten hat. Zum Beispiel Meerblick auf Mallorca.

Da auf Mallorca das ganze Jahr über eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, rät Birgit Müller immer zu furnierten Küchenfronten mit Schutzlack. Massivhölzer würden sich viel stärker verziehen. In der Küchenausstattung legen Insel-Residenten besonders Wert auf Eiswürfelzubereiter, große Kühlschränke und Weinklimaschränke. Die können 90 Zentimeter oder auch stattliche zwei Meter hoch sein. Zur professionellen Weinlagerung im Wohnbereich hat Gaggenau jetzt einen Weinklimaschrank mit zwei getrennt steuerbaren Klimazonen vorgestellt. Bis zu 64 Flaschen können bei Keller- oder Trinktemperatur gelagert werden. Dank der gedämpften Kompressoraufhängung lagern die Weinflaschen nahezu vibrationsfrei auf Ablagen aus unbehandeltem Buchenholz und Aluminium. Ein Materialmix, der Geruchs- und Geschmacksübertragungen verhindert.

Beratungsbedarf gibt’s auf Mallorca vor allem beim Thema Außenküche. Da die meisten Küchenmaterialien schnell rosten, behelfen sich viele Finca-Besitzer mit gemauerten Küchenmodulen, vor die sie Türen aus Teakholz hängen. Um dem Rostproblem ein Schnippchen zu schlagen, hat Birgit Müller jetzt die erste Außenküche komplett aus Stein entwerfen lassen. Unter der steinernen Abdeckplatte, die sich wasserdicht zusammen schieben lässt, befinden sich Herd, Kühlschrank, Spülbecken und Arbeitsplatte. Da darf es auf der Sonneninsel ruhig mal regnen. Denn diese wetterfeste Küche aus Jurastein ist etwas fürs Leben. Im Innenbereich wechselt der Küchenstil dagegen alle drei bis vier Jahre. Aber keine Sorge: Wer sich jetzt eine neue Küche einrichtet, der ist für die nächsten zehn Jahre bestens ausgestattet. Mindestens.

Einsortiert in den Kategorien: Reports