Die Weinlese hat begonnen – mit Mallorcas berühmtem sichelförmigen Messer Trinxet und natürlich mit Sonnenhut. Und eines steht jetzt schon fest: Es wird weniger geerntet als noch im vergangenen Jahr. Aber das sagt nichts über die Qualität des Jahrgangs 2011 aus.  Im Gegenteil. Von Kirsten Lehmkuhl (Text) und Danyel André (Fotos).

Frische Nächte im Juli, heiße Tage im August: War die Lese im vergangenen Jahr außergewöhnlich üppig, so ist in diesem Jahr so etwas wie Normalität eingekehrt. „Solche Extreme, wie sie uns die Natur im vergangenen Jahr präsentierte, sind gar nicht so gut“, sagt Ramón Servalls i Batle von der Bodega Macià Batle in Santa Maria. Er setzt große Hoffnungen auf die diesjährige vendimia: mit weniger Traubengut, aber mit ersten, vielversprechenden Analysen. So hat besonders der verhältnismäßig kühle Juli den Trauben gut getan. Sie konnten in aller Ruhe reifen, ohne zu viel an Feuchtigkeit zu verlieren. Schließlich geht der Wasserverlust in der Frucht immer mit einer Erhöhung des Zuckergehaltes einher. Und dieser bestimmt den Alkoholgrad, der auf Mallorca klimatisch bedingt ohnehin recht hoch ist. Nach der einfachen Regel: viel Sonne, viel Zucker, viel Alkohol. So werden sich die Alkoholgrade auch in diesem Jahr in der Regel zwischen bei 13 und 14,5 Volumen-Prozent einpegeln.

Die Niederschläge in diesem Jahr kamen zur rechten Zeit – und gingen, Glück für die Winzer, mit leichten Winden einher. So konnten die Trauben trocknen, ohne zu faulen oder andere Krankheiten zu bekommen. „In diesem Jahr haben wir ausgesprochen gesundes Traubengut“, bestätigt Esperanza Nadal, Chefin von Vins Nadal in Binissalem. „Wir hatten so gut wie gar nicht mit Pilzen zu kämpfen.“
Bei Macià Batle begann die Lese Ende August. Dort startete man mit dem Moscatel de Alejandría, bevor der Chardonnay folgte. Bis Ende September dann werden auch Merlot, Prensal Blanc, Mantonegro und Cabernet Sauvignon geerntet sein. Auch bei Miquel Oliver in Petra rückte man Ende August schon mal dem Moscatel zu Leibe. Bodega-Chefin Pilar Oliver ist zuversichtlich, was die diesjährige Qualität angeht. Weniger Menge ja, aber bis jetzt sehr gute Analyse-Ergebnisse, sagt auch sie. Das trifft sich gut. Denn sie hat einiges vor. Weil die Bodega im nächsten Jahr ihr 100. Bestehen feiert, wird Pilar Oliver einen ganz besonderen Jubiläumswein kreieren, der pünktlich zum Geburtstag auf den Markt gebracht werden soll. „Es wird ein Roter sein“, sagt sie – aber mehr kann sie natürlich noch nicht verraten. Bei Vins Nadal in Binissalem hatte man es nicht eilig mit der Lese, schließlich setzt das Weingut besonders auf etwas später reifende Sorten wie Shiraz. Esperanza Nadal macht die enorme Hitze Ende August ein wenig Sorgen. „Das war ein kleiner Schock für unsere Weinstöcke“, sagt sie. Und hofft, dass der Zuckergehalt nicht auf Kosten der Säure und Frische zu sehr in die Höhe schnellt. Denn Esperanza Nadal stellt gern Weine her, deren Alkoholgehalt nicht die 13 oder 13,5 Vol. Prozent überschreitet.

Antoni Bennàssar, Vorsitzender des Kontrollrats der Denominación de Origen (D.O.) Pla in Levant, glaubt, dass die diesjährige Weinlese eine der besten der vergangenen zehn Jahre sein wird. „Unsere Weine des Jahrgangs 2011 werden hervorragend sein“, wagt er eine Prognose. Aber das wird man endgültig erst am Ende der vendimia sagen können.

Patrick Paulen von der Bodega Tianna Negre in Binissalem gleichwohl ist von „seinem“ Moscatel schon jetzt schwer begeistert. „Wir haben ihn etwas früher reingeholt als in anderen Jahren. Und er zeigt ganz feine Rosenwasser- und Jasmin-Aromen, so muss es sein“, schwärmt er. Und am Most des Chardonnays im Tank in der Bodega hat er natürlich auch schon geschnuppert. Er riecht „so was nach Apfel und einer guten Birne“, sagt er begeistert. „Einfach perfekt!“

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