Die Insel ohne Schiff ist beinahe unvorstellbar. Es ist gängiges Transportmittel und besonders im Sommer Sport- und Spaßgerät. Der Spaß hört für viele aber abrupt auf, wenn die Wellen etwas höher werden. Seekrankheit ist quälend – es gab  sogar schon Matrosen, die über Bord gesprungen sind, um dem Leiden ein Ende zu machen. Ein Bericht mit Tipps gegen die Seekrankheit von unserem Medizin-Experten Dr. Med. Klaus Diller.

Manchen wird schon schlecht, wenn sie ein Schiff nur betreten. Andere fühlen sich auch im stärksten Sturm noch wohl. Einige gewöhnen sich ans Schaukeln, andere – selbst Berufskapitäne – müssen bei jedem Auslaufen wieder mit der Übelkeit kämpfen. Und dann gibt es noch die, bei denen sich die Seefestigkeit mit dem Alter verändert. Das kann in beide Richtungen stattfinden. Plötzlich wird dem Seebär schlecht oder die Landratte verträgt den Seegang.

Die Symptome beginnen mit leichtem Unwohlsein und Magendruck, Müdigkeit, Unlust zum Reden und blassem Gesicht. Der Puls erhöht sich. Im Körper entsteht schließlich Stress, und die Hormone Adrenalin und Noradrenalin verstärken die Beschwerden dann auch noch.

Die fortgeschrittene Seekrankheit führt zusätzlichen Symptomen. Kalter Schweißausbruch, Abgeschlagenheit, geistige Leere, allgemeines Desinteresse zur laufenden Situation. Zunehmender Schwindel führt dann auch zum Brechreiz. Das vorher blasse Gesicht verfärbt sich grünlich.

Bei andauernder Belastung kann der körperliche und seelische Zustand, der durch starke Seekrankheit hervorgerufen wird, extrem ernste Formen annehmen. Das anhaltende Erbrechen, die Dehydrierung und das Gefühl, gefangen zu sein, können zu solch schweren Depressionen mit Angst und Panik führen, dass der Betroffene am liebsten sterben würde und deshalb die Selbstmordgefahr wirklich steigt. Sie sollten unter ständiger Beobachtung bleiben. Schwerst Seekranke mussten sogar zu ihrer Sicherheit festgebunden werden. Das Risiko, dass die Seekrankheit über Herz- und Kreislaufversagen zum Tod führt, ist sehr gering aber nicht ausgeschlossen.


Wie verhält sich das statistische Risiko, Symptome der  Seekrankheit zu bekommen?
• Am häufigsten sind Kinder zwischen dem 2. und 12. Lebensjahr betroffen.
• ab dem 50. Lebensjahr nimmt das Risiko daran zu  erkranken ab.
• 15 % der Erwachsenen werden nie seekrank.
• 10 % der Erwachsenen werden immer seekrank.
• 75 % der Erwachsenen werden gelegentlich seekrank.
• auf 45% wird der Placeboeffekt geschätzt, also die psychovegetative Reaktion durch die „Angst vor  Reisekrankheit“.


Das Auftreten einer Seekrankheit kann gefördert werden durch:

• Alkoholgenuss während der Fahrt, aber auch schon am Vorabend.
• Rauchen, und das insbesondere bei Nichtrauchern, die den benachbarten Rauchernebel inhalieren.
• Schweres und vieles Essen führt zu einer verstärkten Durchblutung im Verdauungsbereich und verringert dadurch die Gehirndurchblutung.
• Allgemeiner Stress durch aktuelle Bord-Konflikte, mangelhaftes Vertrauen in Schiff, Crew und Skipper und bei körpereigenen Beschwerden wie Fieber, Grippe, Menstruation.


Was passiert eigentlich in unserem Körper, wenn uns die Seekrankheit befällt?

Obwohl die Wissenschaft sich noch nicht 100 % über den Wirkmechanismus einig ist, geht man davon aus, dass es sich um eine Konfliktsituation zwischen unseren Sinnen des Sehens (Auge meldet: nichts bewegt sich) und des Gleichgewichtes (Körper spürt: Schaukeln, Rollen, und Stampfen) handeln muss.

Besonders fatal und dadurch risikoreich ist es, seinen Blick auf ruhige Objekte am Schiff zu konzentrieren oder sogar ein Buch zu lesen. Dadurch entstehen im Körper noch größere Diskrepanzen zwischen den Sinnen des Sehens und des Gleichgewichtsgefühls. Die Seekrankheit folgt dann ganz schnell.


Einfache Regeln zur Vorbeugung:

Keinen Alkohol während der Fahrt, Rauchen nur an Deck und konsequent in Lee, dort wo der Wind den Rauchqualm von Bord und seewärts treibt, genügend Schlaf, Konflikte vermeiden, harmonische entspannte Atmosphäre schaffen, gesunde Ernährung (fettarm und lieber öfters kleine Häppchen als selten und große Mengen), viel Schatten und die Bekleidung trocken und nicht einengend wählen. Therapien gibt es sehr viele, und es muss nicht zwangsläufig die Tablette sein.



A) Zwei einfache Akupressur-Methoden

1) Man drückt gleichzeitig an jeder Hand jeweils drei Fingerkuppen gegeneinander:
Rechte Hand: Daumen, Zeige- und Mittelfinger.
Linke Hand: Daumen, Mittel- und Ringfinger.
Diese Akupressur sollte man 5 Minuten durchführen.

2) Wenn man die Hand nach oben in Richtung Ellenbeuge anspannt, sieht man zwei Sehnen, Der richtige Punkt zur Massage befindet sich zwischen diesen Sehnen zwei Finger breit oberhalb der Handgelenks-Querfalte. Dieser Punkt, auch genannt der Nei Guan-Punkt, wird mit dem Daumen der anderen Hand mehrere Minuten massiert. Falls vorhanden, kann dieser Punkt auch durch Elektroakupunktur stimuliert werden.
Beide Methoden senken sowohl das Risiko der Seekrankheit, wie auch die Stärke der Übelkeit wenn es einen schon erwischt hat.



B) Hilfe durch ein Naturprodukt

Ingwer gibt es in verschiedenen Varianten. Zum einen als Ingwerknolle, zum anderen in Apotheken als dosiertes Pulver (1–4 Gramm) oder in Tablettenform. Die Einnahme ist als Vorsorge gedacht. Sie kann bereits am Vorabend der Reise begonnen werden und während der Reise natürlich weiter geführt werden. Die Knolle wird in kleine Scheibchen geschnitten und dann einfach wie ein Kaubonbon langsam gekaut.


C) Was hilft, wenn es dann doch zur Seekrankheit kommt

Sofort einen Punkt am Horizont betrachten, also den Blick weg vom Schiff. Falls möglich, an das Steuer gehen, versuchen, das Schiffslenkgefühl zu erhalten. Ein interessantes Gespräch lenkt ebenfalls ab. Außerdem aktiv bleiben.

Sollte aber alles nicht helfen, dann auf den Rücken legen und zum Himmel schauen. Liegend schwächt sich der Effekt des Schaukelns auf den Körper ab.

Falls möglich sollten Sie sich so weit wie möglich in die Mitte des Schiffes begeben, da hier der Schaukeleffekt am geringsten ist.


D) Medikamente

Apotheken bieten gegen See- oder Reisekrankheit Tabletten, Kaugummis oder Pflaster an. Beispiele:

Das Superpep Reisekaugummi. Wenn die Seekrankheit kommt, dann kann dieses Kaugummi gekaut werden, Bereits nach 5 Minuten tritt die erste Wirkung und Beruhigung ein. Später kann bei Bedarf auch ein zweites Kaugummi genommen werden. Als Hauptnebenwirkung treten Müdigkeit und Mundtrockenheit auf.

Das Scopoderm TTS Pflaster wirkt gegen Übelkeit und Schwindel. Man kann es als Vorsorge bereits am Vorabend der Reise anwenden. Es wirkt aber auch als Behandlung bei bereits vorhandener Seekrankheit. Die Tragezeit sollte bei sechs Stunden liegen, dann wirkt es theoretisch drei Tage lang.

Für Kinder bis zu 16 Jahren und für ältere Menschen ist es nicht geeignet.

 

 

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