Küchenchef Llorenç Bagur Capó hat eine ganz besondere Spezialität. Sie heißt: Leute glücklich machen! Und zwar mit seinen Kochkünsten. Auf die menorquinische Art. Sein Restaurant Can Mito jedenfalls gehört zu den Lokalen in Portixol, die höchst einladend sind – fanden Kirsten Lehmkuhl (Text) und Marco Richter (Fotos)  bei ihrer Tour durch Portixol.

Maria, Merry und Menut schaukeln gemächlich auf dem Wasser. An manchen Stellen blättert die Farbe ab. Die Mini-Kutter aus Holz im Hafen von Portixol haben schon bessere Tage gesehen. Portixol, gerade mal zwei Kilometer von Palmas Zentrum entfernt, ist längst nicht mehr das Fischerörtchen, in dem die Männer in aller Herrgottsfrühe aufs Meer hinausfahren. Heute sind dort Nachtschwärmer der ganz anderen Art unterwegs. Denn das Viertel hat sich zu einem der angesagtesten Szenetreffs der Stadt entwickelt. Nicht zuletzt deshalb, weil es irgendwie ein Mischling ist: dörflich charmant auf der einen Seite, ziemlich schick auf der anderen.

Halb verfallene Kapitänshäuschen stehen neben supermodernen Restaurants, in denen hinter breiten Glasfronten Gerichte aus der Cross-Over-Küche aufgetischt werden. Abgeschnuddelte Hafenkneipen behaupten sich neben minimalistisch gestylten Cocktail-Bars.

Ausgehen, genießen, Seele baumeln lassen. So lautet die neue Devise. Da ragt das trendige Hotel Portixol in den strahlend blauen Himmel. Das Gebäude aus den 1950er Jahren wurde von seinen schwedischen Besitzern mit viel Gefühl und Geschmack renoviert und gehört zu den schönsten Design-Hotels Mallorcas. Die Plätze im Restaurant sind heiß begehrt. Man tafelt draußen auf der Terrasse, lässt sich Fisch, Austern oder Gemüse aus dem Wok servieren und hält genüsslich die Nase in den lauen Wind. Mittags gibt es einen Seaside Lunch für 18,50 Euro, der aus drei Gängen besteht, zum Beispiel aus einer kalten Erbsensuppe mit Pfefferminz, gefolgt von einem Beef Tataki mit Pilz-Polenta und einem Aprikosen-Schoko-Kuchen mit Mascarpone.

Die umtriebigen skandinavischen Eigentümer haben gerade ein neues Projekt ins Leben gerufen. Wer den Portixol-Stil mal außerhalb Mallorcas erleben will, der kann ins österreichische Sankt Anton am Arlberg reisen, um sich ab Dezember im Valluga Hotel einzuquartieren!

Doch wir bleiben im schönen Mallorca und kehren, nur einen Steinwurf vom Hotel Portixol entfernt, ins Can Mito ein, ins „menorquinische Reich“ von Llorenç Bagur Capó. Im schicken grünen Kochdress – schwarz und weiß hat ja jeder – erzählt der Mann aus Ciutadella so leidenschaftlich von seiner Art zu kochen, dass einem nur vom Zuhören das Wasser im Munde zusammenläuft. Seit zwölf Jahren steht er auf der Insel am Herd – und seine Lust auf seine menorquinische Heimatküche hat noch keinen Deut abgenommen. Und seine gute Laune erst recht nicht. Seine Spezialität nämlich ist: „Leute glücklich machen!“ Kulinarisch, versteht sich. Dieser Mann jedenfalls gibt sich erst zufrieden, wenn auch seine Gäste zufrieden sind.

Dabei hat er das Kochen nie richtig gelernt. Autodidakt sei er, sagt der 34-Jährige. Aber das stimmt nur bedingt. Denn es war seine Oma Juana, die „Abuela“, die ihn schon früh inspiriert hat, zum Kochlöffel zu greifen. Die Dame hat ganze Arbeit geleistet. Für seine Paellas – neun verschiedene stehen auf der Karte – ist Llorenç mehrmals ausgezeichnet worden. Und bei ihm wird das typisch spanische Reisgericht selbst für eine Person zubereitet. Dass Paellas fast überall nur ab zwei Personen angeboten werden, leuchtet dem Mann nun wirklich nicht ein. Wo sie doch allein auch so gut schmeckt!

Dabei bietet er durchaus Ungewöhnliches. Zum Beispiel eine Paella mit Rotbarben (15 Euro). Sie wird ausschließlich mit Salmonetes zubereitet, kein anderer Fisch, keine andere Meeresfrucht gesellt sich dazu in die Pfanne. Ganz frisch und ohne Gräten sind sie. So wie bei ihm alles tagesfrisch auf den Tisch kommt, auf Tiefgekühltes verzichtet er. Zudem setzt Llorenç konsequent auf lokale Produkte, auf Lebensmittel von den Balearen – oder aus dem Meer drum herum. Hummer im Winter aus Kanada wird man bei ihm nicht finden.

Und haben Sie schon mal Raolas de escarolas gegessen? Das ist Hausmannskost made in Menorca, nach Art, genau, von Oma Juana, so etwas wie vegetarische Kroketten (8 Euro). In sie piekst man die Gabel natürlich am besten auf der Terrasse des Can Mito. Der Aussicht wegen!

Denn gegenüber am Ministrand von Portixol aalen sich Sonnenhungrige auf ihren Tüchern, genießen das Sommerfeeling auf feinem Sand – und stehen schwer unter Beobachtung. Denn die Playa säumen nicht nur Lokale. An ihr führt auch direkt die Flaniermeile entlang, die vor einiger Zeit neu gestaltete Promenade mit ihren Bänken und Bäumen, die die Stadtbewohner wie ein Magnet anzuziehen scheint. Jedenfalls macht es den Eindruck, als würde sich besonders nach Feierabend und am Wochenende wie auf Kommando halb Palma Richtung Portixol aufmachen – um Luft zu schnappen. Im Affentempo rasen auf eigens ausgewiesenen Fahrspuren Radler in knallengen Outfits vorbei, andere ziehen als Inline-Skater ihre Bahn. Der Weg führt kilometerweit gen Südosten, bis hin nach Arenal mit seinen Bettenburgen und Ballermännern.

Aber so weit kommen nur die Sportlichen. Die Genießer sind schon längst vorher irgendwo eingekehrt, zum Mittagessen in die traditionellen Fischlokale Es Mollet oder Sa Roqueta – oder sind in die Cafetería des Nautik-Clubs Portitxol geschlüpft, in der ein Tagesmenü für 8 (innen) bzw. 9 Euro (außen) zu haben ist. Hauswein inklusive, der von robusten Kellerinnen mit Schwung krachend auf den Tisch gestellt wird. Dort isst man umgeben von Fischern, Seglern und anderen Bootsleuten, genießt nach dem Essen vielleicht noch einen Café con leche, der dort noch 1,30 Euro kostet. Dabei sitzt man in dieser Hafenkneipe nun wirklich in der allerersten Reihe. Mit Blick auf Menut, Maria und wie sie alle heißen, die Boote, die sehr gelassen vor sich hindümpeln. Oh, wie schön ist Portixol …

Hotel Portixol,
C./ Sirena 27, Tel.: 971–27 18 00. www.portixol.com

Can Mito, Restaurant Menorquí,
C./ Vicari Joaquim Fuster 1, Tel.: 971–27 46 44, 971–45 57 86.
Geöffnet: täglich 13 bis 24 Uhr. Von 13 bis 23 Uhr durchgängig warme Küche. www.canmito.com

Es Mollet,
C./ Sirena 1, Tel.: 971–24 71 09.
Geöffnet: Geöffnet 13 bis 16, 19.30 bis 23.30 Uhr.

Sa Roqueta,
C./Sirena 11, Tel.: 971–24 94 10.
Geöffnet 13 bis 15.30, 20 bis 23 Uhr.

Bar Cafetería Club Náutico Portitxol,
Paseo Barcelo y Mir 2, Tel.: 971–27 38 68.
Geöffnet von 5 Uhr morgens bis 24 Uhr.

 

Kleines Lexikon: So heißt der Fisch!

Cap Roig - Drachenkopf

Gallo de San Pedro - Sankt-Petersfisch

Lenguado - Seezunge

Rodaballo - Steinbutt

Lubina - Seewolf

Solmonete - Rotbarbe

Mero - Zackenbarsch

Denton - Zahnbrasse

Merluza - Seehecht

Dorada - Goldbrasse

Bacalao - Kabeljau

Rape - Seeteufe

 

 

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